Bildschirmzeit in den Ferien: 5 Ideen für weniger Streit in der Familie
Herbstferien 2026: 5 Ideen für die Bildschirmzeit von Kindern zwischen 9 und 13 Jahren, und was du sagst, wenn sie nicht aufhören wollen.
Einordnung Veröffentlicht am 19. Oktober 2026 8 Min. Lesezeit
Geschrieben von Nicolas Carrion Entwickler von pourquoi.app
In den meisten Bundesländern sind gerade Herbstferien. In Baden-Württemberg beginnen sie am 26. Oktober, in Bayern am 2. November, in Hessen, Rheinland-Pfalz und im Saarland sind sie schon vorbei (Übersicht der Herbstferien 2026). Mehr freie Zeit, mehr Leerlauf und oft mehr Bildschirmzeit. Das ist ganz normal und sagt nichts über dich oder deine Familie aus.
Dieser Artikel richtet sich vor allem an Eltern: fünf Ideen, wie Bildschirme in den Ferien dazugehören können, ohne dass es am Ende jeder Folge Streit gibt. Nimm, was zu euch passt, und lass den Rest weg.
Kurz gesagt: Leg mit deinen Kindern zwei oder drei bildschirmfreie Zeiten fest, zum Beispiel beim Essen und vor dem Schlafengehen. Gewöhn dir und ihnen eine kleine Pause an, bevor eine App aufgeht. Vereinbare feste Uhrzeiten, statt Minuten zu zählen. Plan etwas anderes ein. Und sprich über Bildschirme, ohne Vorwürfe zu machen. Wenn ein Kind nicht aufhören will: Kündige das Ende vorher an. Mit einem Teenager: Leg die Uhrzeit gemeinsam fest.
Eine Anmerkung, bevor es losgeht: Ich entwickle pourquoi.app, eine App, die eine Frage stellt, wenn du bestimmte Apps öffnest. Beim Thema Handy bin ich also nicht neutral. Am Ende erzähle ich mehr darüber. Die Ideen hier lassen sich aber genauso gut ohne die App umsetzen.
5 Ideen für die Bildschirmzeit in den Ferien
1. Leg mit deinen Kindern zwei oder drei bildschirmfreie Zeiten fest
In den Ferien hilft es am meisten, ein paar bildschirmfreie Zeiten auszumachen. Beim Essen. Auf kurzen Autofahrten. In der ersten Stunde am Morgen. In der Stunde vor dem Schlafengehen. Welche ihr nehmt, ist egal, solange ihr sie vorher festlegt und nicht erst, wenn das Handy schon in der Hand ist.
Das empfiehlt auch die American Academy of Pediatrics (AAP) in ihrer englischsprachigen Vorlage für einen Medienplan für die Familie: bildschirmfreie Zeiten beim Essen und vor dem Schlafengehen, Regeln, die du an deine Familie anpasst und mit deinen Kindern besprichst, und einen Plan, den ihr ab und zu überprüft. Die Ferien sind eine gute Gelegenheit dafür.
Wenn du in den Ferien ein paar Tage arbeiten musst oder die Kinder ein paar Tage bei Oma und Opa oder in der Ferienbetreuung sind: Bleib bei ein oder zwei Zeiten, die alle einhalten können, etwa beim Essen und vor dem Schlafengehen, und sprich sie kurz mit denen ab, die dann aufpassen.
Nicht jeder Plan klappt auf Anhieb, und dass du öfter daran erinnern musst, gehört dazu.
2. Bau eine kurze Pause ein, bevor eine App aufgeht, für deine Kinder und für dich
Fünf Sekunden. „Wofür eigentlich?“ Wenn die Antwort „Wetter checken“ oder „Julia antworten“ ist, dann los. Wenn sie „keine Ahnung“ ist, darfst du trotzdem rein. Nur hast du es diesmal bemerkt.
Das ist kein Verbot, sondern ein Moment, in dem du selbst entscheidest. Mit einem Kind kannst du die Frage laut stellen, bevor das Tablet angeht: „Was willst du dir anschauen?“ Für dich ist es dieselbe Frage, nur im Stillen.
Die AAP rät außerdem, die automatische Wiedergabe und die Benachrichtigungen auszuschalten: Beide sind dafür gemacht, die Aufmerksamkeit von Kindern festzuhalten. YouTube und Netflix haben jeweils eine Einstellung, mit der Videos oder Folgen nicht mehr automatisch weiterlaufen.
3. Vereinbare feste Uhrzeiten, statt Minuten zu zählen
In den Ferien lässt sich „Um sieben ist Schluss“ leichter einhalten und leichter erklären als „eine Stunde am Tag“. Alle wissen, wann Schluss ist, und niemand braucht eine Stoppuhr. Egal, welche Uhrzeit du wählst: Halt die Zeit vor dem Schlafengehen bildschirmfrei, so wie es die AAP empfiehlt.
Die Uhrzeit ersetzt die Richtwerte weiter unten nicht, sie hilft, sie einzuhalten, zum Beispiel: „nach dem Mittagessen eine Folge, am Nachmittag noch eine Runde spielen, um sieben ist Schluss“. Das ist gesunder Menschenverstand, kein Studienergebnis. Auf dem iPhone eines Kindes kann der Zeitplan für Bildschirmzeit aus der Kindersicherung von iOS 27 ganze App-Kategorien wie Spiele ab einer festgelegten Uhrzeit sperren; auf Android kann Family Link das Handy ebenfalls zu festen Uhrzeiten sperren.
4. Plan Alternativen zum Bildschirm ein
In den Ferien füllt sich eine bildschirmfreie Zeit, in der nichts los ist, schnell wieder mit dem Handy. Plan etwas anderes ein: ein Brettspiel, einen Spaziergang, ein Buch, eine Runde Karten, gemeinsam kochen. Auch der Medienplan der AAP sieht übrigens vor, andere Aktivitäten einzuplanen.
Am besten etwas, worauf alle wirklich Lust haben, keine Pflichtübung. Frag reihum, was allen Spaß machen würde.
5. Sprich über Bildschirme, ohne Vorwürfe zu machen
Bei jüngeren Kindern führt „Was schaust du dir da an?“ eher zu einem Gespräch als „Hängst du schon wieder am Handy?“ Die erste Frage zeigt, dass es dich interessiert. Die zweite klingt nach Vorwurf. Bei Teenagern ist es etwas anders, dazu gleich mehr.
Auch das Handy der Erwachsenen gehört dazu: Die AAP betont, dass Eltern Teil des Plans sind, weil Kinder sich oft bei ihnen abschauen, wie man mit dem Handy umgeht. Mehr dazu steht im Abschnitt „Und dein eigenes Handy“ des Artikels über Teenager, die die Kindersicherung umgehen.
Wenn dein Kind nicht aufhören will: mit 9 und mit 13 Jahren
Du sagst, dass jetzt Schluss ist, und prompt kommt: „Noch fünf Minuten!“ Verständlich: Wer hört schon gern mitten in einem Video oder einem Spiel auf? Hier ein paar Vorschläge aus dem Familienalltag, nicht aus Studien.
- Mit etwa 9 Jahren: Kündige das Ende vorher an, „in zehn Minuten hören wir auf“, dann „nach dieser Folge ist Schluss“. Brich ein Spiel möglichst nicht mittendrin ab, und sag, was danach kommt: das Abendessen, der Spaziergang, die Gutenachtgeschichte. Bei Spielen, die nie richtig enden, wie Minecraft oder Roblox, mach mit ihm vorher aus, wann Schluss ist, zum Beispiel wenn das aktuelle Bauprojekt fertig ist.
- Mit etwa 13 Jahren: Leg die Uhrzeit zusammen mit deinem Teenager fest, am Vorabend oder morgens, nicht erst, wenn er schon mittendrin ist. Für Teenager darf es später sein, laut den Richtwerten aber nicht später als 21 Uhr. Lass ihn ruhig ein bisschen verhandeln: Eine Regel, die er mit ausgehandelt hat, ist auch seine Regel. Bei Teenagern wirkt selbst ein freundliches „Was schaust du dir da an?“ schnell wie Kontrolle; „Wann hören wir heute Abend auf, was meinst du?“ kann besser ankommen.
- Wenn es eskaliert: „Wir reden morgen früh darüber.“ Abends, wenn alle müde sind, verhandelt niemand gut.
Für die einzelnen Altersstufen nennt das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG, die frühere BZgA) Richtwerte, die mit der Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin übereinstimmen: von 9 bis 12 Jahren höchstens 45 bis 60 Minuten am Tag, von 12 bis 16 Jahren höchstens 1 bis 2 Stunden am Tag und nach 21 Uhr gar nicht mehr. Das sind Vorsichtswerte, keine von der Forschung bewiesenen Grenzen. Der Artikel Machen Bildschirme dumm? stellt sie ausführlich vor.
Ein Regentag, eine lange Fahrt: Und wenn es mal aus dem Ruder läuft?
Das kommt vor: ein Regentag, eine lange Fahrt, eine Serie, die ihr am Stück durchschaut. Das ist kein Scheitern, sondern ein Ausreißer. Am nächsten Tag machst du mit der Idee weiter, die du dir ausgesucht hattest, oder du nimmst eine andere. Diese Ideen sollen sich an euren Alltag anpassen, nicht umgekehrt.
Und wo kommt pourquoi.app ins Spiel?
pourquoi.app ist eine App für iPhone und Android, die ich entwickle („pourquoi“ ist Französisch für „warum“). Sie richtet sich in erster Linie an dich und fragt dich: „Warum öffnest du diese App?“ Auf dem iPhone kommt die Frage nur bei den Apps, die du ausgewählt hast; auf Android erscheint sie, wenn du dein Handy entsperrst, und du kannst sie zusätzlich für Apps deiner Wahl einschalten. Du tippst eine der vorgeschlagenen Antworten an und machst weiter. Nichts wird gesperrt. Die App hilft vor allem bei der zweiten Idee, der kurzen Pause, bevor eine App aufgeht.
Auch dein Teenager kann sie auf seinem eigenen Handy nutzen, und du kannst ihm dabei zur Seite stehen. Eine Kindersicherung ist sie nicht: Er richtet sie selbst auf seinem Handy ein, du siehst seine Antworten nicht, und nichts lässt sich von deinem Handy aus steuern. Seine Antworten und Statistiken bleiben auf seinem Handy. Wenn er sie dir zeigen möchte, ist das ein guter Anfang für ein Gespräch. Installier sie besser nicht, ohne mit ihm darüber zu reden: Der Artikel über Teenager, die die Kindersicherung umgehen, erklärt, wie du es ihm vorschlagen kannst.
Die kostenlose Version stellt die Fragen ohne Begrenzung und zeigt die Statistiken für heute und die letzten sieben Tage. Premium bietet zusätzlich den vollständigen Verlauf und den Wochenrückblick. Die Preise stehen auf der Startseite. Keine Studie hat die App in den Ferien oder mit Kindern getestet, und ich verspreche dir nicht, dass deine Bildschirmzeit damit sinkt. Sie hilft dir, die Geste zu bemerken, mit der du eine App öffnest, mehr nicht. Die Einrichtung dauert ein paar Minuten: Anleitung fürs iPhone, Anleitung für Android.
Häufige Fragen
Wie viel Bildschirmzeit am Tag ist in den Ferien okay?
Eine Zahl, die für alle passt, gibt es nicht. In Deutschland nennen das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) und die Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin Richtwerte: von 9 bis 12 Jahren höchstens 45 bis 60 Minuten am Tag, von 12 bis 16 Jahren höchstens 1 bis 2 Stunden am Tag und nach 21 Uhr gar nicht mehr. Das sind Vorsichtswerte, keine von der Forschung bewiesenen Grenzen. Die American Academy of Pediatrics empfiehlt außerdem einen Plan, der zur jeweiligen Familie passt, mit bildschirmfreien Zeiten beim Essen und vor dem Schlafengehen.
Sollte man Bildschirme in den Ferien verbieten?
Nicht unbedingt. Bildschirme sind auch der Videoanruf mit Oma und Opa, der Filmabend mit der ganzen Familie oder ein Spiel, das ihr zusammen spielt. Wichtig ist, bewusst festzulegen, wann der Bildschirm an ist, statt ihn jeden Leerlauf füllen zu lassen.
Ist es schlimm, wenn die Kinder auf einer langen Autofahrt einen Film schauen?
Nein. Wenn ihr den Film bewusst für diese Fahrt ausgesucht habt, ist das kein Rückfall, sondern eine Entscheidung. Der Unterschied: Ihr habt es vor der Abfahrt beschlossen, und das Tablet läuft nicht einfach, weil gerade nichts anderes da ist.
Wie kommt man nach den Ferien wieder in den Rhythmus?
Stell zwei oder drei Tage vor Schulbeginn wieder auf die Schulzeiten um, angefangen mit der Uhrzeit, zu der abends die Bildschirme ausgehen. Immer nur eine Sache auf einmal, das reicht.
Wer hier schreibt
Ich bin Nicolas Carrion und habe pourquoi.app entworfen und entwickelt, eine App für Menschen, die ihr Smartphone behalten und selbst entscheiden wollen, wann es ihre Aufmerksamkeit bekommt. Ich bin weder Kinderarzt noch Forscher: Jede Zahl ist mit ihrer Quelle verlinkt, und ich habe alle Quellen am 19. Oktober 2026 geprüft. Mein Werdegang und wie du mich erreichst, stehen auf der Über-uns-Seite. Vor den Weihnachtsferien bringe ich diesen Artikel auf den neuesten Stand.
Wie wäre es mit einem Versuch?
pourquoi.app stellt eine ruhige Frage vor dem Reflex. Die Frage beim Öffnen ist kostenlos, ohne Blocker. Eine Sekunde Abstand reicht manchmal, um den Tag zu verändern.